Qualität auf Deinem Teller – Gemüse, Kartoffeln und Getreide aus dem eigenen Garten

Lebensmittel, ihre Erzeugung und ihr Handel werden immer unnatürlicher. Eier, die gekocht, ohne Schale und in Plastikverpackung verkauft werden sind nur ein Beispiel. Verstehe die Zusammenhänge und wohin die Reise noch führt. Dann hast Du noch Zeit und genügend Antrieb selbst kompetent zu werden.

Wandel in der Landwirtschaft

Vor 30 Jahren war ich ein Junge, deren Eltern in einem kleinen Dorf einen Bauernhof hatten. In diesem und den vier angrenzenden Dörfern waren es mehr als zwanzig andere Familien, die auch Landwirtschaft hatten. Heute sind es unter zehn Höfe, wobei die Perspektive für einige Betriebe auf Verkauf oder Verpachtung hinausläuft. Sprich: der eigene Betrieb wird aufgegeben, andere Betriebe werden dadurch größer. Diesen Trend gibt es schon seit Jahrzehnten. Gab es in Deutschland 1999 noch rund 430.000 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Flächenausstattung von mindestens zwei Hektar, waren es 2017 nur noch 269.000.

Aneinandergrenzende Flächen werden im Zuge der Vergrößerung der Betriebe häufig zusammen bewirtschaftet. Für die maschinelle und immer weiter automatisierte Bewirtschaftung der Flächen scheint das effizienter. Doch der immer größere Flächen einnehmende Anbau einer einzigen Art von Nutzpflanze mit tonnenschweren Maschinen ist unnatürlich. Dazu genügt ein Blick an den Feldwegrand, in einen Mischwald oder ein unberührtes Stück Natur. Pflanzen unterschiedlicher Art konkurrieren zwar. Aber sie ergänzen sich auch. Unkraut ist Beikraut und Schädlinge sind Nützlinge, wenn man denn die großen Kreisläufe der Natur entdeckt.

Das Ziel aus den Augen verloren? Schmecken statt Füllen

Die Preise für Getreide sind derzeit im Vergleich der letzten Jahrzehnte niedrig. Und das trotz der wenig ertragreichen Ernte aufgrund des trockenen Frühsommers und Sommers wie 2018. Dem Import aus anderen Ländern „sei Dank“. Verbraucher kaufen billig und freuen sich. Haben vor einigen hundert Jahren die meisten Menschen einer Familie oder Großfamilie den Großteil ihrer Tageszeit damit verbracht, für ihre Lebensmittel zu sorgen, stehen heute bei vielen günstige Lebensmittel, stattdessen aber Konsumgüter und Statussymbole, im Vordergrund.

Auch in meinem Leben gab es Zeiten, in denen ich Lebensmittel als Füllstoff mit Kalorien betrachtet habe und entsprechend gegessen habe. Mein Lebensweg führte mich dann weiter zu Ernährungsformen wie Vollwertkost, veganer und Rohkost-verganer Ernährung, die ich einige Jahre präferierte. Vorher nie wahrgenommene Geschmackserlebnisse änderten Biss für Biss meine Einstellung. Der Biss in eine frische, regionale Bio-Paprika, den ich ab der Ernte innerhalb von einem Tag tun durfte, ist immer noch unglaublich präsent. Frisch, saftig, bissfest und intensiver Geschmack zeigten mir, dass meine bisherigen Ernährungsgewohnheiten meine Sinnlichkeit beim Essen hatten vermissen lassen. Wesentlich ist aber gerade das sinnliche Wahrnehmen und Schmecken der Lebensmittel. Die Befriedigung der Lust auf bestimmte Geschmäcker. Im Zeitalter von Coffee-to-go und Brötchen im Auto kommt das Schmecken bei den meisten Menschen leider viel zu kurz.

Das Ziel moderner Landwirtschaft: Geld statt Lebensmittel?

Das in der Leistungsgesellschaft vorherrschende Streben, Leisten und Funktionieren hat auch vor der Landwirtschaft nicht Halt gemacht. Ziel ist nur noch in seltenen Fällen, Lebensmittel für die eigene Ernährung und den eigenen Genuss anzubauen. Stattdessen ist das Ziel Geld zu verdienen. Um sich davon u.a. Lebensmittel zu kaufen, dessen Ursprung völlig unklar ist.

Dem oben geschilderten Preisdruck in der Landwirtschaft empfehlen Berater der Landwirte mit Wachstum zu trotzen. Kredite in Millionenhöhe, Leasingverträge und die Entfernung von der Natur und dem, was natürlich ist, sind nur einige Beispiele die analog zu der Entwicklung in Konzernen abläuft.

Warum das Ganze?

Privatisierung, Nachbau und ihre Gebühren

Lebensmittel und ihre Erzeugung sind im Fokus von Großkonzernen. Das Konzerne weltweit Wasserrechte von staatlichen Wasserbehörden kaufen und das Wasser dann als Trinkwasser in Flaschen verkaufen ist nur die Spitze des Eisbergs. Pflanzenzüchtung, Agrochemie, Saatgut und Lebensmittelproduktion werden immer mehr von Konzernen diktiert. Der erste und wichtigste Teil der Erzeugung von Lebensmitteln ist dabei das Saatgut.

Säen und Ernten, von der Ernte etwas aufbewahren, um es im nächsten Jahr wieder auszusäen – dieses Grundprinzip der Landwirtschaft ist schon seit Ende der 90er Jahre nicht mehr uneingeschränkt möglich. Die Pflanzenzüchter verlangen nicht nur die – berechtigten einmaligen – Lizenzgebühren, wenn sie neues Saatgut an die Bauern verkaufen. Sondern sie wollen auch die nächsten 25 bis 30 Jahre Geld verdienen, wenn der Bauer einen Teil seiner Ernte wieder als Saatgut einsetzt – sogenannten Nachbau betreibt.

Gentechnik-Saatgut und Patente auf Pflanzen

Aber auch diese Art des Nachbaus wird immer weniger. Patente auf Saatgut werden erteilt. Obwohl Patente auf Pflanzensorten oder klassische Züchtungen nach den europäischen Patentgesetzen eigentlich verboten sind. Die Abhängigkeit der Gärtner, Landwirte und letztlich allen Verbrauchern wird immer größer.

Dank der möglich gewordenen Genmanipulation von Pflanzen, wird ein Nachbau immer mehr von vornherein ausgeschlossen. Heute noch nicht zugelassen, aber stark in Erforschung findet voraussichtlich so genanntes Terminator-Saatgut zukünftig immer mehr Einzug auf Felder, letztlich Deinen Teller und Deinen Körper. Beim Terminator-Saatgut können Pflanzen keine keimfähigen Samen mehr hervorbringen, denn der Embryo im ausgereiften Korn wird durch Genmanipulation von der Pflanze automatisch abgetötet oder stark geschädigt. Gekauftes Saatgut keimt, Pflanzen wachsen, doch die geernteten Samen sind steril.

Bienensterben

Dabei sind die öffentlich gemachten Argumente pro Genmanipulation genau andersherum: Befürworter stellen Umweltschutz, Klimawandel oder Bienensterben in den Vordergrund. Ursache und Wirkung wird in der Außendarstellung verdreht.

Bsp. Bienensterben: Bienen sind das wichtigste Nutztier der Menschheit. Viele Menschen verbinden mit Bienen zwar nur die Honigproduktion und das Stechen, doch ihre Funktion als Bestäuber ist essentiell für die Natur auf unserem Planeten und damit für uns Menschen. Auf der Suche nach Nektar transportieren Bienen Pollen von Blüte zu Blüte. So befruchten sie Pflanzen, ohne die keine Früchte wachsen würden. In Europa sind 84% der 124 wichtigsten Nutzpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ohne Bienen also keine natürlichen Lebensmittel. Bienen bestäuben z.B. Apfel-, Birnen- und Kirschbäume, Spargel, Gurken, Melonen und Bohnenarten, Erdbeeren, einige Nüsse und Mandeln, Raps, Gewürzpflanzen, Kräuter sowie Kaffee.

Als ich vor zwanzig Jahren mit dem Autofahren begann, musste ich noch mehrmals im Jahr das Scheibenwisch-Wasser nachfüllen. Eine Vielzahl toter Insekten, die an meinem Auto starben und nach und nach die Sicht durch die Windschutzscheibe trübten. Heute komme ich, trotz ähnlichem Fahrumfangs, mit einer Wasserfüllung durch das Jahr. Es gibt weniger Insekten und weniger Bienen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, bspw.

  • Insektenvernichtungsmittel (Insektizide) zur Schädlingsbekämpfung. Die Mittel treffen aber nicht nur die Schädlinge, sondern auch alle anderen Insekten. Interessant ist hierbei zu hinterfragen, was denn die so genannten Schädlinge sonst noch tun in der Natur. Schnell kannst Du feststellen, dass die meisten auch uns Menschen helfen. Auch wenn es nicht immer so aussieht.
  • Insekten nehmen aus Luft, Wasser und Pflanzen unzählige Gifte auf, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Dieser Chemikaliencocktail kann sehr viel gravierendere Wirkungen haben als einzelne der Stoffe für sich alleine.
  • Auf den oben schon genannten immer größer werdenden Flächen zum Anbau einer einzigen Art von Nutzpflanze haben Kräuter, Blühpflanzen und Hecken keinen Platz. Bienen finden wenig bis keine Nahrung. Im Getreideanbau und in Maisfeldern für Biogasanlagen blüht nichts. Auch auf Grünland, dass mittlerweile auf Leistung optimiert ist, gibt es kaum noch Blühpflanzen.

Die Nutzung von Bienensterben zur Argumentation pro Genmanipulation ist Augenwischerei. Es wird behauptet, bspw. sich selbst bestäubende Pflanzen entwickeln zu müssen, damit wir Menschen trotz Bienensterben eine ausreichende Lebensmittelversorgung haben. Dabei kommt das Bienensterben ja vorwiegend von unseren unnatürlichen großflächigen Anbaumethoden und Chemikalien.

Vom Kräuterkasten zum Gemüsebeet – in kleinen Schritten selbst aktiv werden

Düstere Aussichten. Hoffentlich düster genug für viele von uns, selbst aktiv zu werden. Falls nicht oder falls Du Dich ohnmächtig fühlst, hilft die Auseinandersetzung mit Deinen eigenen Negativen Grundannahmen und Glaubenssätzen.

Der Weg führt also zurück zur Natürlichkeit. Verständnis der Natur und des Lebens sind Voraussetzung und Fundament, um Stück für Stück kompetent zu werden und auch in zwanzig Jahren noch natürlich leben und essen zu können. Denn die Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität kann sich sicherlich jeder vorstellen.

Egal wo und wie Du lebst, kannst Du selbst aktiv werden. Von Kresse oder Getreide keimen im nassen Handtuch über Kräuter auf dem Balkon, Gemüsebeeten im Garten bis zur autarken Lebensmittelselbstversorgung ist alles möglich. In Großstädten sprießen bspw. immer mehr Gärten auf Hochhäusern.

Probiere das, worauf Du Lust hast aus. Das, was Du schmecken möchtest. Denn mit Lust bleibst Du dabei. Und Schritt für Schritt kann es mehr werden.

Undogmatisches Essen

Die Polarität in unserem körperlichen Nervensystem besteht aus dem Sympathikus (Spannung) und Parasympathikus (Entspannung). Jede dogmatische Ernährungsform, die mit Verzicht trotz Lust auf ein Lebensmittel einhergeht, aktiviert den Sympathikus. Sorgt also für Anspannung sowie ein saures Gemüt und Körpermilieu. Also sieh Deinen Weg nicht zu dogmatisch. Trotz meiner intensiven Erfahrungen mit verschiedenen Ernährungsweisen bin auch ich wieder aus Lust auf Fleisch und Süßigkeiten zum Alles-Esser geworden und merke, dass mir das sehr gut bekommt. Der Unterschied ist, dass ich jetzt mehr Lust auf Fleisch von Wildtieren habe, die ein sehr viel artgerechteres und natürlicheres Leben haben als im Stall gemästete Tiere, die hunderte Kilometer zum Schlachthof transportiert werden.

Guten Appetit also. Und genieße die frische Luft in Deinem Garten oder bei einem Spaziergang – solange sie noch nicht lizensiert ist und Du dafür zahlen musst.

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