Der Antrieb des Lebens – Negative Grundannahmen

Scheinbar paradox liest sich die Überschrift. Etwas Negatives als Antrieb? Ja! Jeder Mensch braucht – und hat – Negativität als Antrieb für seinen Lebensweg. Das ist wie mit Hunger und Durst: ohne sie würdest Du nicht essen und trinken. Negative Grundannahmen sind negative Glaubenssätze über Dich selbst, die Dich bewegen lassen.

Was ist Leben?

Jeder Lebensprozess pulsiert zwischen zwei Polen. Das ist ein Naturgesetz. Du kannst es bspw. an einem Bach mit Quelle und Mündung oder am Tagesablauf mit Tag und Nacht beobachten. Auch der aus vielen Filmen oder eigenen medizinischen Erlebnissen bekannte Verlauf des EKG (Elektrokardiogramm) zeigt eine pulsierende Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten aller Herzmuskelfasern zwischen zwei Polen. Gibt es keine elektrische Aktivität des Herzens, zeigt das EKG eine Nulllinie. Der Mensch ist tot.

Der Unterschied der zwei Pole

Ein Pulsieren zwischen zwei Polen ist ein Zeichen für Leben. Es ist nur möglich, wenn zwischen den beiden Polen ein Unterschied herrscht. Dieses wird als Potenzialunterschied bezeichnet wobei die zwei Pole dabei unterschiedliche Potenziale besitzen. Das Potenzial bezeichnet das Maß für Stärke, vorhandene Leistungsfähigkeit und Wirkungsfähigkeit eines Pols. Wobei wertfrei stark nicht gut und schwach nicht schlecht bedeutet. Der Tag ist ja auch nicht besser oder schlechter als die Nacht.

Der Potenzialunterschied erzeugt Spannung zwischen den Polen. Hierzu ein Beispiel aus der Natur: Ein Bach ergießt sich aus Richtung einer Quelle, einer relativen Fülle, in Richtung einer relativen Leere. Baust Du in diesem Bach einen Staudamm erzeugst Du einen großen Potenzialunterschied zwischen den Seiten des Staudamms. Spannung entsteht. Das Mehr an Wasser auf der einen Seite ergießt sich aufgrund der Spannung in Richtung der relativen leeren Seite, sobald Du den Staudamm zerstörst oder er bricht. Das Potenzial wird in diesem Beispiel nicht komplett ausgeglichen, weil aus der Quelle, der relativen Fülle, kontinuierlich Wasser sprudelt.

Ein weiteres Beispiel aus Deinem Leben veranschaulicht die naturgesetzliche Allgemeingültigkeit: Bei Akkus findest Du

  • Spannungsaufbau durch Laden im Ladegerät an der Steckdose,
  • Potenzialunterschied durch Plus- und Minus-Pol und ihre unterschiedliche Ladung,
  • Entladung durch Nutzung eines Geräts mit diesem Akku oder Kurzschluss und
  • vollständiger Potenzialausgleich, wenn der Akku leer ist.

Spannung im Leben

Übertragen wir den Potenzialunterschied auf Dein Leben stellt sich die Frage, ob ein Überschuss an Fülle oder Leere besteht. Hättest Du Fülle im Überfluss, würdest Du Dich dann bewegen? Stell Dir vor, dort wo Du gerade bist ist alles, was Du Dir jemals ersehnst. Bewegst Du Dich dann? Oder ein Beispiel aus der Natur: Jagen wilde Tiere, die Du täglich fütterst? Alle Fragen kannst Du entspannt mit Nein beantworten. Das hat nichts mit Willensschwäche zu tun, sondern folgt einem weiteren Naturgesetz (mehr Naturgesetze kannst Du bei Interesse hier nachlesen).

Ist hingegen die Leere oder Negativität im eigenen Leben größer, bewegst Du Dich. Hunger, Durst, Probleme oder eine spürbare Sehnsucht lassen Dich weitergehen. Denn Du strebst den Ausgleich des Potenzialunterschieds und damit einhergehend Entspannung an. Im Fall Deines Hungers ist das die eigene Sättigung. Das ist naturgesetzlich, genauso wie beim Staudamm.

Spannung im Gemüt ist Lebendigkeit

Als menschliches Gemüt bezeichne ich die Gedanken- und Gefühlswelt. Hier wurzelt das negative Potenzial, das Dich immer weitergehen lässt. Es entsteht durch Deine eigenen Annahmen, wie Du bist. Hier einige Beispiele für diese Art der Glaubenssätze, den Negativen Grundannahmen:

  • Ich bin ein fauler Sack.
  • Ich bin ein arroganter Besserwisser.
  • Ich bin ein verfressener Fettsack.
  • Ich bin ein aggressiver Tyrann.

Bewusst oder unbewusst befürchtest Du die Verstoßung aus der Gesellschaft, wenn jemand davon erfährt. Das ist lebensbedrohlich. Deswegen versteckst Du Deine selbst geglaubte Negativität in den verschiedensten Rollen und Masken des Lebens. Leistung und Status eignen sich dazu genauso wie nach Außen dargestellte glückliche Partnerschaften, Eltern-Kind-Beziehungen oder das demonstrative Dagegen-sein.

Wir alle haben Negative Grundannahmen

Diese eigenen Negativen Grundannahmen habe ich naturgesetzlich hergeleitet, weil wichtig zu verstehen ist, dass es jeden Menschen trifft. Egal ob Penner oder Manager. Egal ob Außenseiter oder mittendrin. Ohne diesen negativen Grundantrieb kein Leben. Denk an die Nulllinie im EKG.

Das es jeden betrifft kann entspannen und Dir Mut machen, Dich diesem Thema zu stellen.

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Die Begleitung zum Verständnis Deines Lebens

Ein wesentlicher Baustein der Individuellen Begleitung ist die Heranführung an die eigenen Negativen Grundannahmen. Du lernst sie kennen und spüren. Denn um Zweiteres geht es letztlich: die lange Zeit verdrängten und unterdrückten Gefühle zu fühlen.

Energie ist wandelbar, aber nicht zerstörbar. Gefühle kannst Du somit nur fühlen und damit wandeln. Ein Verdrängen lässt sie weiter bestehen. Sie berauben Dich Deiner Energie. So, wie wenn Du ständig einen Ball unter Wasser drückst, damit ihn keiner sieht.

Möchtest Du hingegen erfüllt leben und Deinen Bedürfnissen mit immer mehr Kraft nachgehen, ist die Bewusstheit der eigenen Negativen Grundannahmen essenziell. Denn Du wirst immer weniger Bälle unter Wasser drücken wollen und kommst damit Deinem Wesen immer näher. Die Folge ist mehr Energie für Dein Leben.

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Normale Welt

Beim Schreiben dieses Artikels habe ich bei Wikipedia einen interessanten Satz gelesen: Das Wort „[…] Gemütsschwankung bezieht sich auf psychische Instabilität.“.

Du erkennst vielleicht schon auf Basis des bisher Gelesenen selbst: Gemütsschwankungen sind naturgesetzlich lebendig. Eine stabiles Gemüt, im Sinne von in sich konstant und gleichbleibend, kommt dem Tod des eigenen Gefühlslebens nahe. Also nicht wirklich erstrebenswert. Auch eine Stabilität im Sinne von Beanspruchbarkeit ist nicht gegeben. Denn die eigene Kraft wird verwendet, um Rollen und Masken aufrecht zu erhalten. Wie schon beschrieben ist das so anstrengend wie Bälle unter das Wasser zu drücken.

Dieses Missverständnis und die dahinter stehenden Verhaltensanpassungen eines Menschen lassen das Leben vieler zur Qual werden. Denn hast Du diese „normale“ Welt als Dein verinnerlichtes Weltbild, ist das Fühlen und Ausleben Deiner Gefühle von Freude über Neid und Wut bis zur tiefsten Traurigkeit für Dich falsch. Bewusst oder unbewusst unterdrückst Du diese Gefühle und verurteilst Dich dafür, dass Du sie und andere natürliche Bedürfnisse hast, die in der Normalität als schlecht und falsch bewertet werden. Du unterdrückst den Kontakt zu Deinen Negativen Grundannahmen aus Angst aus der „normalen“ Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.

Die hinter dem Glauben dieser Definition stehenden Therapien und Medikamente sind nur die Spitze des Eisbergs. Schwankung ist Leben.

Vergleiche das nochmal mit dem EKG:

  • Pulsieren = Schwankung = Leben
  • Nulllinie = Tod

Es ist also natürlich und lebendig seine Gefühle voll und ganz zu fühlen und auszuleben. Junge Kinder tun dieses so lange wir sie lassen. Sie werden leblos und interessenslos, je mehr wir sie dazu bewegen artig, nett, brav und an die Normalität angepasst zu sein.

Der Unterschied zwischen normal und natürlich

Normal bedeutet lt. Duden so beschaffen zu sein, wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche, Richtige vorstellt. Natürlich bedeutet sich aus den Gesetzen der Natur ergebend. Und meint damit echt, zwanglos und folgerichtig.

Betrachte mit diesen Bedeutungen das folgende Bild:

Phasen des Menschseins am Aufrechtsein eines Mannes zwischen Geburt und Tod

Zeigt es Normalität oder Natürlichkeit?

Normalität. Diese haben eine Vielzahl von Menschen als ihr Weltbild verinnerlicht. Damit wird klar, dass sie sich stressen, wenn die Kinder in der Schule schlechte Noten bekommen oder sie bspw. selbst ungewollt arbeitslos werden. Ein natürliches, bewegtes Leben kann aber völlig anders aussehen als auf dem dargestellten Bild.

Auch Schwäche und Krankheit im Alter sind keine Selbstverständlichkeit, wird aber in diesem Bild transportiert. Unterhalte Dich mit alten Menschen über ihre Wehwehchen. Eine Vielzahl wird Dich darauf hinweisen, dass das am Alter liegt und normal ist. Doch die Normalität sind nur Glaubenssätze. Natürlichkeit ist echt.

Geradliniger Lebenslauf

Vor einiger Zeit habe ich in einer Stellenanzeige die Voraussetzung „Geradliniger Lebenslauf“ gelesen. Funktionieren müssen ist für diesen Job also Voraussetzung. Das die Natur des Menschseins auf Basis der Naturgesetze es anders will, ist mittlerweile hoffentlich deutlich geworden:

  • Pulsieren = Schwankung = Leben
  • Nulllinie = Tod; im Sinne eines geradlinigen Lebenslaufs mindestens der Tod der eigenen Gefühle und Bedürfnisse.

Nur um das Klarzustellen: wie ich oben geschrieben habe, hat jeder Mensch Negative Grundannahmen. Also auch ich. Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich mich selbst als Lebenslaufhure bezeichnet. Und Komplimente zu meiner eigenen Geradlinigkeit und Zielstrebigkeit gingen mir runter wie Öl.

Heute mag ich es immer noch Dinge in dieser Welt zu erreichen und umzusetzen. Nur mehr aus der Richtung, die sich für mich richtig anfühlt, statt verstandesmäßig. Die Gefühle zu meinen Negativen Grundannahmen haben sich also gewandelt.

Jeder Mensch ist spirituell

Mit dem Verständnis der Negativen Grundannahmen und ihrer Auswirkungen auf Dein Leben wird deutlich, dass Spiritualität nichts ist, was der Eine ist und der Andere nicht. Jeder Mensch ist ein geistiges Lebewesen, also spirituell. Wir alle verwickeln uns in diversen Rollen, um irgendwann an einen Punkt anzukommen, an dem der Leidensdruck oder die Sehnsucht so groß werden, dass sich unser Leben – freiwillig oder unfreiwillig – Richtung Ent-wicklung verändert. Stück für Stück heraus aus den Rollen hin zu unserem wahren Wesen, dass in die Welt und in die Natur eingebettet ist.

Das ist eine spannende Reise, die auch den Sinn des Lebens deutlicher werden lässt. Reines Funktionieren, körperlich Überleben oder Anhäufen von Geld wäre trist. Andererseits geht es auch nicht darum, Geld und Materielles zu verneinen, wie es häufig in spirituellen und esoterischen Kreisen beschrieben wird. Wir leben in einer materiellen Welt. Also können wir uns auch ohne schlechtes Gewissen hier entfalten.

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Weiterer Artikel zum Thema

Ulrich Mohr, der Entdecker der Negativen Grundannahmen, hat den Artikel „Der unentdeckte Ur-Krieg Deiner Innenwelt“ über die Negativen Grundannahmen geschrieben, den ich hier gerne verlinke.

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