Liebe und Beziehungen: Freude und Trauer ganz nah beieinander

Thema Nummer 1 bei uns Menschen ist die Liebe. Das erkennst Du an der Anzahl an Liedern, Filmen oder Büchern, in denen Liebe eine Neben- oder sogar die Hauptrolle spielt. Eng verbunden mit dem eigenen Beziehungs- oder Single-Dasein und hoffentlich lustvollem Sex sind intensive Gefühle. Frisch verliebt zu sein ist begleitet von unglaublich berauschenden Gefühlen. Liebeskummer oder Herzschmerzen können auf der anderen Seite zerfetzen.

Die psychologische Sicht

Betrachten wir gedanklich ein kleines Kind. Für Kinder ist die Unterstützung durch die Eltern (oder andere enge Bezugsmenschen) lebensnotwendig, denn sie können sich nicht selbst versorgen. Irgendwann zwischen Zeugung und den ersten Lebensmonaten spürt jedes Kind aber, dass Mama und Papa ihm gegenüber nicht immer positiv gestimmt sind. Beispiele hierzu reichen von einer ungewollten Schwangerschaft über ein Meckern, weil dem Kind etwas heruntergefallen ist, bis hin zu geschlagenen Kindern.
Ein Kind möchte trotzdem von den Eltern geliebt und versorgt werden. Um eine gewisse Sicherheit für diese Zuneigung zu gewährleisten, versucht es sich Anerkennung zu verdienen. Es versucht so zu sein, wie es glaubt, die Eltern wünschen es sich so. Das ist die Geburtsstunde für Glaubenssätze.

  • Liebe und Anerkennung muss ich mir verdienen.
  • Ich bin nicht genug.
  • Wenn ich tue, was andere von mir wollen, darf ich bleiben.
  • Die Bedürfnisse anderer Menschen sind wichtiger als meine eigenen.
  • Ich bin ein einsamer Außenseiter.

Glaubenssätze beschreiben wie Du meinst selbst zu sein, wie das Leben ist oder zu sein hat und wie das Leben und Du selbst zu funktionieren haben. Glaubenssätze begleiten Dich Dein gesamtes Leben, auch wenn Du gar nichts davon ahnst. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit einschränkenden Glaubenssätzen und dem Fühlen der dahinter liegenden Gefühle kannst Du aber immense Veränderungen anbahnen.
Dein Weltbild von einem Leben in Beziehungen wird also schon in der Kindheit gelegt. Oder?

Die spirituelle Sicht

“Eure Kinder sind nicht eure Kinder” schreibt Khalil Gibran in “Von den Kindern”. Biologisch natürlich schon. Er meint damit die Spiritualität, also Geistigkeit, jedes Lebewesens. Durch das Naturgesetz “Energie ist wandelbar, nicht zerstörbar.” wird deutlich, dass das Wesen eines Kindes nicht erst bei der Zeugung entsteht. Auch die dazugehörigen psychischen Spannungen, die sich als aktuelle Lebensthemen z.B. in Beziehungen zeigen, sind also schon vorhanden. Sie werden von den Eltern dadurch aufgeladen, dass sie ihren Kindern nicht jeden Wunsch erfüllen oder ihnen gegenüber auch negativ gestimmt sind. Passend zum eigenen geistigen Lebensweg wird ein Kind in genau die Familie und Lebensumstände geboren, die ihm Spannungen für das weitere Leben beschert. Alles was existiert hat zwei Pole. Und diese beiden Pole wollen sich aufgrund ihres Ungleichgewichts ausgleichen. Dein Kind würde sich also nicht sehnsüchtig bewegen, um sein eigenen Heil zu finden, wenn es immer alles hätte.

Heil sein

Wenn in der Welt in der wir leben alles polar ist und jeder für sich auf dem Weg zu seinem Heil, seiner Ganzheit ist, ist hinter der Polarität eine Einheit. „Alles ist Eins“, Liebe oder Tao sind Wörter dafür in der Philosophie. Die Quantenphysik bestätigt dieses indirekt, in dem immer kleinere Teilchen bei der Suche nach der Ursubstanz von Materie gefunden werden. Physiker nennen die Einheit Äther oder ätherisches Kontinuum und beschreiben damit, dass alles miteinander verbunden ist. Berichte über Nahtoderfahrungen geben hier einen interessanten, aufschlussreichen Einblick.
Die Sehnsucht nach Liebe, einer Partnerschaft und der körperlichen Vereinigung wie Küssen und Sex basiert also nicht nur auf der Biologie und des Instinkts der Fortpflanzung. Dahinter liegt die spirituelle Sehnsucht nach Vereinigung von Gegensätzen. Mann und Frau vereinigen sich bspw. jeweils mit dem gegenpolaren Geschlecht, z.B. beim Händchenhalten, Küssen oder Sex. Die Anziehung entstammt der wechselseitigen Polarität von Glaubenssätzen, Gefühlen, Erfahrungen, Talenten und Fähigkeiten. Anziehung in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bestätigen, dass es viel mehr als reine Biologie ist.

Bindungsmuster: eine Sichtweise auf die Liebe

Jeder Mensch ist mit seinen eigenen Glaubenssätzen, Gefühlen, Erfahrungen, Talenten und Fähigkeiten einzigartig. Und hat dadurch ein einzigartiges Dasein im Leben und in Beziehungen.
Die Psychologie versucht das Bindungsverhalten von Menschen in Bindungstypen zu kategorisieren. Da, wie gerade beschrieben, jeder Mensch individuell ist und sich nicht in eine Schublade einordnen lässt, betrachte ich dieses lediglich als Bindungsmuster. Anhand dieser können wir sehr gut die Anziehung zwischen Menschen betrachten. Und warum wir genau mit dem Menschen zusammen sind, mit dem wir zusammen sind.

Unterschieden werden drei Bindungsmuster:

  • Ängstlich: Ich empfinde, dass andere Menschen nicht so viel Nähe möchten wie ich. Ich mache mir oft Sorgen darüber, dass mein Partner mich nicht wirklich liebt oder mit mir zusammen sein möchte. Ich möchte am liebsten komplett mit einem anderen Menschen verschmelzen. Und das schreckt andere manchmal ab.
  • Sicher: Ich finde es recht leicht Kontakt zu anderen Menschen herzustellen und ihnen nah zu sein. Es ist für mich angenehm in gewisser Weise von ihnen abzuhängen und das sie in gewisser Weise von mir abhängen. Das gehört zu einer Beziehung dazu. Ich mache mir selten Sorgen darüber verlassen zu werden oder das mir jemand zu nahe kommt.
  • Vermeidend: Es ist für mich unangenehm, wenn mir andere Menschen nahe sind. Ich habe Schwierigkeiten ihnen zu vertrauen und mich auch nur stückweise von ihnen abhängig zu machen. Ich werde nervös, wenn mir jemand zu nahe kommt. Häufig möchten meine Partner, dass ich mich ihnen mehr öffne und wir enger zusammen sind, als das es mir angenehm ist.

Wenn Du dein Muster noch nicht erkennst, aber genauer wissen möchtest, welches Bindungsmuster Du aktuell lebst, kann ich Dir diesen Test empfehlen (englisch-sprachig).

Jeder Topf findet seinen Deckel: der Sinn der Liebe

Das Naturgesetz der Polarität beschreibt, dass jeder Lebensprozess zwischen zwei Polen schwingt. Beim Bindungsmuster sind das die Ausprägungen ängstlich und abweisend. Wenn Du in einer Beziehung mit viel Drama lebst, ist die Chance hoch, dass ihr euch in diesem Spannungsfeld befindet. Aus psychologischer und spiritueller Sicht sind Partnerschaften Lerngemeinschaften, in der beide Partner reifen. Sich in diesem Fall also aneinander reiben, damit sich jeder für sich mehr in Richtung „heil“, also in diesem Fall sicheres Bindungsmuster, entwickelt. Sicher in dem Sinn, dass der Ängstliche nicht mehr komplett von der Nähe und Zuneigung eines anderen Menschen abhängt. Und der Vermeidende mehr Gefühle und Nähe zulassen kann. Beide brauchen sich gegenseitig mit all den schmerzlichen Erfahrungen in der Beziehung, um diese Entwicklung durchleben zu können. Es sind also immer beide Partner in einer Partnerschaft für alles verantwortlich!

Diese Zusammenhänge der Bindungsmuster sind nur ein Beispiel. Unzählige andere sind gleichzeitig wesentlich. Bspw. Charakterausprägungen wie unterwürfig – dominant oder empfindsam – grob.

Der Streit über Socken, Zahnpastatuben, Beziehung zu Kindern usw. ist also immer nur die Fassade. Wirkliche Veränderung erlangst Du über die bewusste Betrachtung Deiner Glaubenssätze und dem Zulassen Deiner wirklichen Gefühle Dir selbst gegenüber.

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